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Pomena im Nationalpark Mljet: Ein Rückblick auf fast 25 Jahre, ein Dutzend Besuche und die Veränderungen vor und nach dem Krieg:
Ausführliche Beschreibungen der Orte, des Nationalparks und dem Leben der Einheimischen mit vielen Bildern zu der Insel, Pomena und dem Nationalpark gibt es auf meiner Website:
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1987 kam ich erstmals hierher: eine kleine Bucht mit Blick auf den Sonnenuntergang, ein Hotel mit 160 Betten, eine Handvoll Häuser der Einheimischen, die sich ihren Broterwerb mit kleiner Pension und Restaurantbetrieb erwirtschafteten. Der Nationalpark zog ausreichend Gäste an, im Sommer gab es keine freien Zimmer mehr und zur Not konnte man auf dem Campingplatz weiter oben schlafen. Nachts herrschte eine Stille, die nicht „leer“ erschien und jeden Mystiker und Romantiker entzückte. Auf der Binneninsel Melita sassen junge Menschen und zeichneten.
Im Hotel spielte 2 Tage in der Woche ein Pianist auf der Terrasse, die zu Zeiten einer vernünftigen Hotelküche auch noch belebt war. Es gab keine Strassenlaternen und Elektrizität hatte erst wenige Jahre vorher Einzug gehalten. Das Hotel hatte einen eigenen Generator, denn jedes 2. Gewitter brachte die Stromversorgung zum Zusammenbruch. Ringsum üppiges Grün und Bewuchs, der Duft von Pinien, Sträuchern und das Zirpen der Grillen.
Die letzten Punkte sind geblieben, alles andere hat sich verändert. Der einzige Wermutstropfen blieb das Wasserboot, die Nautika, die alle 3-
Im Nationalpark durfte nicht gebaut werden. Unter dieser Regelung konnten die ansässigen Familien und noch ein paar andere zwar ihre Häuser ausbauen (oder nach dem Krieg einen Schuppen in eine mächtige 3-
Es war noch die Zeit Jugoslawiens und des Sozialismus: die Leute konnten – nach Ansicht vieler Einheimischer – gut leben und hatten, was sie brauchten. Die bessergestellten Familien hatten ein kleines Motorboot, das zum Fischen und für Ausflüge genutzt wurde. Schon damals brachen die Tische, wenn zum Essen aufgetischt wurde, die Menschen waren freundlich.
Nach dem Krieg, in dem Jugoslawien auseinander fiel, kamen die ersten kleinen Jachten (und westlichen Autos) mit Kroaten an Bord, die vor Arroganz strotzten und denen man lieber aus dem Weg ging. In den Städten tauchten Drogen auf und junge Leute, die offensichtlich unter denselben standen. „Kriegsfolgen“ nannte man diese Erscheinungen. Daß die in Deutschland bezogene Sozialhilfe gespart und zum Wideraufbau der Existenz genutzt wurde, war eine der freundlichsten Erscheinungen in den Nachkriegsveränderungen.
Und so erholte sich das Land, während das alte sozialistische Gemeinschaftsvermögen unter den „Vettern und Freunden“ privatisiert wurde. Dieses spezielle „Sozialsystem“ schlägt sich bis heute in der kroatischen Gesetzgebung nieder, in der es für jede Sachlage eine Regelung und eine Gegenregelung gibt. Das sichert, daß man immer auf der sicheren Seite sein kann.
In Pomena beginnt damit die Zeit der Ausflugsboote, die auf Wochentouren durch die Highlights der Adria kreuzen und die nächtliche Stille Pomenas nutzen, um die bordeigene Diskoanlage mit der der Nachbarschiffe in Wettstreit treten zu lassen. In den 90ger Jahren war das nur ein oder 2 Tage in der Woche der Fall und auch im August konnte man sich noch gut in Pomena aufhalten.
Im Hotel bekam man auf eine nicht-
Der Campingplatz wurde geschlossen, da 1. die Leute in den Pensionen/dem Hotel schlafen sollen, 2. Rucksacktouristen schlechte Touristen sind, weil sie kein Geld ausgeben und 3. Keine sauberen Touristen sind. Noch heute werden Rucksackreisende eher abgelehnt, wenn man die Auswahl zu haben meint. Daß der Campingplatz seit nunmehr fast 20 Jahre geschlossen ist, hat sich als Information aber immer noch nicht verbreitet – dazu müsste „man“ (=wer?) diese ja „nach irgendwohin“ weiter geben.
Nach der Jahrtausendwende zieht der Lärm ein – in der Bucht als auch auf den Seen. Das Fahrverbot an den Seen wird für einige „Vettern und Freunde“ aufgehoben, Fahrräder und Kanus vermietet und in der Hauptsaison werden täglich 2000 Touristen am Tag von den umliegenden Inseln und Orten für einen Tagesausflug eingeschifft. Ruhe und Besinnlichkeit der kleinen Binneninsel Melita verschwinden genauso wie die zeichnenden und malenden Studenten. „schnell – viel – alles – Geld“ : das wird zum Lebensmotto. Aber noch findet man stille Plätzchen und das Meer ist noch reich an Fisch.
Das Olivenöl, das an allen Ecken Mljets von Frauen an kleinen Ständen angeboten wird, ist entgegen aller Beteuerungen gepanscht: einmal zu hause angekommen, wird es schnell ranzig, zudem stand es ja eh den halben Sommer in der Sonne und Hitze der Verkaufsstände. Das reine Öl, das die leute selber erzeugen, behalten sie für die eigene Familie oder nutzen es in ihrem Restaurant. Auch wohlmeinende Freunde wissen nicht, wo man ungepanschtes Olivenöl herbekommen kann.
Die Ausflugs-
Wer sich im Hotel beschwert – die Hälfte aller Zimmer liegen zu der Anlegestelle 10 Meter weiter vor den Fenstern hin – bekommt ein Zimmer auf der Rückseite – wenn eines frei ist. Die Übrigen erfreuen sich der Tatsache, daß sie eine Woche Ruhe und Stille in erholsamer Natur gebucht haben und eine Woche nächtliches Rambazamba präsentiert bekommen. Aber: die Flucherei beim Hotelpersonal läßt nach, an der Rezeption werden sie mehrsprachig und die notwendigen Auskünfte liegen in Ordnern aus. Die Hotelküche bleibt berüchtigt, dafür macht die hoteleigene Pizzeria auf, die die besten Pizzas der ganzen Insel bäckt. Die Wege um die Bucht werden ausgebaut und mit grell leuchtenden Straßenlaternen bestückt. Die Nautika, das lärmende Wasserboot, versinkt vor Italien und wird durch ein ruhigeres blaues Wasserboot ersetzt, das seinen Motor zumindest unter Deck hat, dafür aber gleich 3 mal täglich kommt:
Die neuen Jachtbesitzer haben offensichtlich nicht genug Geld oder ziemlich Hunger. Die Einheimischen müssen jedenfalls immer wieder feststellen, daß zum Fischen ins Meer gelassene Körbe aufgebrochen und verbogen wurden, der Fisch entnommen wurde, aber der beschädigte Korb zumindest wieder ins Wasser zurück gelassen wird.
Die Polizisten beginnen, einem neuen Hobby zu frönen: Touristen abkassieren. Überall tauchen sie auf, bemängeln angebliche Verstöße und unterhalten sich untereinander, wie viel dem Opfer vor ihnen aus der Tasche zu ziehen ist. Wer kroatisch spricht, wird als „einer der Ihren“ erkannt und kann weiter fahren.
Seit einigen Jahren erreicht die Gier des schnellen Geldes einen neuen Höhepunkt: in Polace tauchen die ersten Gastwirte auf, die 2 Speisekarten haben: eine zum Bestellen, und eine zum abkassieren. Letztere mit deutlich höheren Preisen. Das Meer scheint so grundlegend leergefischt, daß die ortsfremden Fischerboote dazu übergehen, zur Not schon auch mal die Netzte der Einheimischen nachts aus dem Wasser zu ziehen und nach Fang zu durchstöbern. Wo die Leute aus Pomena früher alle 2 Tage aus ihren Netzen einen halben Eimer Fisch ziehen konnten, ist jetzt Leere. Der Lärm in der Bucht geht oft von Morgens bis Nachts, hat aber auch seinen Preis: waren die Gäste des Hotels früher überwiegend Touristen aus den reicheren EU-
Wer nach Pomena oder auf andere Orte der Insel kommt, sollte eines wissen: die Wirtsleute haben alle angeblich kein Geld – schlicht weg für gar nichts. Touristen, die ein Zimmer suchen, werden jedoch nur aufgenommen, wenn sie mindestens 3 Nächte bleiben. Denn für eine Nacht und 50€ am nächsten Tag die Bettlaken waschen müssen – das ist schlicht zu viel Aufwand für das Geld. Das war im Übrigen schon immer so und ist leider Wirklichkeit und absolut kein Witz….
Ich frage Mara, meine Wirtin, warum denn dieses Jahr (2011) bislang so wenig Touristen da sind. "Die Leute haben kein Geld", meint sie. Kein Geld? 2011, von Wirtschaftskrise keine Spur? Mein Eindruck ist eher, daß sich bei Touristen und Jachtbesitzern der Lärm in der Bucht herum gesprochen hat. Die Leute ernten wohl jetzt allmählich die Früchte ihres Tuns.
Im Landesinneren dieser herrlichen Insel gibt es übrigens auch arme Familien, die von der Hand in den Mund und ehrlicher Arbeit leben. Sie würden sich nie etwas schenken lassen, schämen sich ihrer Armut, arbeiten hart und bleiben ehrlich. Ich habe Exemplare dieser Spezies kennen gelernt und auf meinen Seiten vorgestellt.
Mein Fazit nach 25 Jahren und Reisen im gesamten Mittelmeergebiet ist dieses: Hier ist eines der schönsten Urlaubsparadiese Europas mit großem Regererationspotential für z.B. ausgepowerte Führungskräfte und Naturliebhaber durch unendliche Dummheit, Kurzsichtigkeit und um des schnellen Geldes wegen zu einem Raubgebiet von Vetternwirtschaft, Betrug und Scheinlegalitgät verkommen, die das schnelle Geld der langfristigen Entwicklung vorzieht. Die Konsequenzen sind überall sichtbar und die Touristenzahlen sprechen Bände.
Von der schönen Akustikbeschallung habe ich ein paar Aufnahmen gemacht, verzichte hier aber zunächst mal darauf, die einzustellen. Ob dieser Blogeintrag zu einer Verbesserung führen wird, glaube ich kaum. Zumindest ein Teil der Übeltäter scheint im Tourismusministerium zu sitzen, aber Nationalparkbetreiber und die Inselbewohner selber sind eben auch nicht unschuldig. Auch mir wird es allmählich im Pomena der Hochsaison zu laut und so werde ich mir überlegen, ob ich Erholung nicht woanders suchen muß.
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Aufstand in Ägyten – Turmoil in Egypt
Streiflicht zu einem der bemerkenswertesten Völker der Erde
eingefügt aus: http://www.flickr.com/photos/elhamalawy/5409697405/sizes/z/in/photostream/
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1992 war ich 3 Monate in Ägypten. Der Aufstand der vergangenen Tage hat einige sehr beeindruckende Szenen gezeigt, die nicht jedes Volk in dieser Art so leben könnte. Was diese Menschen dort aktuell leisten, und die Art, wie sie es tun, bewegt mich sehr und führt zu diesem Blogeintrag. Zum einen habe ich die bewegendsten Ereignisse der Tage hier eingefügt: z.B. Demonstranten, die sich im Strahl des Wasserwerfers zum Gebet formieren. Ein paar meiner damaligen Erlebnisse als alleine reisende junge Frau sind hier beschrieben, weil sie die Schönheit, Freundlichkeit und Aufrichtigkeit der Menschen dieses Volkes aufzeigen.
1991/92 waren kaum Touristen in Ägypten – radikale Kräfte hatten auf Touristen geschossen. So hatte ich einerseits die großen Pyramiden in Gizeh über Stunden quasi für mich alleine und konnte darin unbehelligt verweilen, andererseits fiel mein Erscheinen als blonde Frau alleine in den Straßen Kairos noch stärker auf als es eh schon getan hätte. Den normalen Ägyptern war damals der Kontakt zu Touristen quasi verboten – eine Schutzmaßnahme. Waren also Freunde mit mir unterwegs, musste ich regelmäßig eingreifen, weil Polizisten sie anhielten und befragten, was sie da mit mir täten.
Kairos Straßen waren damals zu jeder Tages-
Das galt natürlich nur für die normalen Straßen Kairos. Im direkten Umkreis der Touristenorte sammelten sich die englisch sprechenden Strauchdiebe, als Touristenführer getarnt und auf Abzocke aus.
Ein Bus in Ägypten ist niemals voll -
2011:
Al Jazeera berichtet am Freitag von den Ereignissen unmittelbar vor dem Büro ihres Fensters. In der Ferne sieht man eine 2. Brücke mit Auseinandersetzungen, von dort wird Tränengas geschossen. Schon die Bilder um die 6th Oktober Bridge beeindrucken, weil in dem ganzen Tumult bei einer kurzen Pause sich etwa 150 Männer zum gemeinsamen Gebet formieren und auf der Straße nieder lassen. Nun ist dieses Video ins Netz gestellt worden, das die erschütternden Ereignisse auf der Parallelbrücke zeigt:
Die Menschen werden auf die Brücke getrieben und dort von mehreren Einheiten der Polizei in die Zange genommen. Ein Mannschaftswagen der Polizei rast mitten in die Menge und versucht systematisch, die Menschen anzufahren. Tränengas fliegt, wo man nur hinschaut. Dann fahren Wasserwerfer auf. In dieser Einkesselung und verzweifelten Lage beginnen die Menschen in Sekunden, sich zu Gebetsreihen zu formieren. Unter dem Strahl des Wasserwerfes erzeugen sie die Stille des „nach innen hören“ und beginnen sich vor Ihrem Schöpfer zu beugen. Ein größeres Zeichen von Religiosität kann man kaum setzen.
MUST SEE!!!Egypt Revolution 2011 Demonstrators Vs police Fighting:
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http://www.youtube.com/watch?v=dBtYLBQPRGQ&feature=youtu.be
Wer kann sich da noch über die Wut der Menschen wundern, die in den folgenden Tagen sich in folgenden Aussagen fand:
„Einer meiner Söhne ist gestorben am Freitag. Ich habe 2 weitere, die bereit sind, für diesen Aufstand zu sterben“
Etwa 20 Männer in weißen Hemden finden sich auf dem Tahrirsquare ein. „Das sind unsere Totenhemden. Wir verlassen diesen Platz entweder tot, oder dann, wenn Mubarak abgedankt hat“:
Weitere Sammlungen zu den aktuellen Ereignissen:
http://sarthanapalos.wordpress.com/2011/01/31/a-
Dieser Link bietet viele Bilder und Videos:
http://www.crowdvoice.org/emergency-
http://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/kairo206_mtb-
Ein Freund begleitet mich 1991 in eine der sogenannten „Totenstädte“ in Kairo. Bei diesen handelt es sich um Friedhöfe, die in früherer Zeit außerhalb der Stadtgrenzen lagen. Mittlerweile ist die Stadt drum herum gewachsen. Wohlhabende Tote bekamen eine Grabstätte, um die man ein kleines Totenhaus errichtete. Dieses ist den Armen der Bevölkerung nun zum Wohnort geworden. Entlang der Wege sind auf Ständern über hunderte von Metern Wollfäden gespannt, die von einem Mann gedreht, mit einer Art Kamm gereinigt und später zu Wollknäulen aufgerollt werden. Die Ständer mit ihren Fäden erinnern an unsere Strommasten auf den Dächern, die mit ihren Leitungen von Haus zu Haus ziehen. Der Mann ist sichtlich arm: es ist Winter, er hat eine Gealabia an, keinen Schal, keine Schuhe (Schlappschuhe gibt es dort für damals 50 Pfennig). Es ist deutlich, daß er sich mit der Arbeit sein Brot verdienen kann und vielleicht manchmal etwas Tee. Das wars. Aber er steht da und dreht seine Fäden in einer Würde, wie ich sie nie wieder irgendwo gesehen habe: „Allah gibt, Allah nimmt. Ich lebe ein rechtschaffenes Leben und Allah wird mich lohnen oder richten, denn Er ist groß und Er sieht alles“. Seine Würde besteht darin, daß er das Leben annimmt, wie es kommt – ohne zu hadern, ohne zu betteln. Ein Bild, das mich damals sehr berührt hat.
2011:
Eine Frau regt sich in einem Video (das ich leider nicht mehr finde) enorm auf, weil die Medien die demonstrierenden Ägypter mit den Plünderungen in Verbindung gebracht haben. „Wir Demonstranten sind aus allen sChichten. Reiche Menschen, normale Menschen und arme Menschen gleich von den Virteln dort hinten. Alles um uns herum am Tahrir Square ist Reichtum: die Hotels, das Museum, die Häuser – aber von uns hier nimmt niemand etwas, was ihm nicht gehört, hier stiehlt keiner, hier plündert keiner. Wir haben das Museum und die Hotels mit geschützt.“
Weihnachten 1991 verbringe ich in der Oase Dachla
(auch Dakhla, sie ist eine der fünf westlichen Oasen Ägyptens und liegt hunderte Kilometer weg vom Nil, also quasi im nirgendwo, in der Libyschen Wüste nordwestlich von Charga. Es ist ein kleiner Ort, der Muezzin ruft das Gebet vom Minarett noch von Hand aus, also ohne Lautsprecher. In meiner Naivität finde ich, ich könnte Abends in der Dunkelheit noch einen Spaziergang unter dem herrlichen Sternenhimmel unternehmen. Bei meinem Ausflug am Ortsrand werde ich von einem Mann entdeckt, der wissen will, wen ich suche und wo ich hinwill. Englisch spricht hier keiner und Begleitung will ich auch keine, verstehbar, daß ich ihn versuche abzuwimmeln. Er hat aber offensichtlich Angst um mich, denn ich steuere aus dem Dorf heraus in die Wüste – und da hat es wohl das ein oder andere Tier, das mir nicht wohlgesonnen ist. Der Mann ist in einer Zwickmühle und gibt mir zu verstehen, kurz auf ihn zu warten – er sucht jemand, der Englisch spricht. Ich nutze die kurze Gelegenheit zum Entkommen und gehe in den tiefschwarzen Schatten eines Hügels hinauf – hier bin ich nicht zu sehen, derweil der Rest der Wüste von einem fast vollen Mond hell erleuchtet ist, ich käme also im Moment ungesehen nicht weit mit meinem Spaziergang.
Nun, jetzt habe ich die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht. Der Mann merkt, daß ich verschwunden bin und beginnt mich mit seinen Begleitern zu suchen. In Windeseile ist das gesamte männliche Dorf versammelt, ich weiß gar nicht, wo so viele Menschen in so kurzer Zeit aus ihren Häusern kommen können. Und die Leute sind enorm aufgeregt. Später wird mir in Kairo dieser Vorgang erklärt: In den abgelegenen Oasen war eine Frau alleine damals eine Sensation. Frauen gilt es primär zu schützen und insbesondere nachts haben die nicht irgendwo herum zu rennen – das versteht dort kein Mensch. Also muß ich mich wohl verlaufen haben – aber wo bin ich jetzt? In diesem Moment muß jeder geschlechtsreife Mann der Oase die Gemeinschaft der anderen Männer suchen, denn er setzt sich sonst dem Verdacht aus, mit mir unterwegs zu sein. Fackeln werden entzündet und das Dorf sucht nach mir. Jetzt würde ich die Aufregung gerne aussitzen, es ist aber klar, daß diese Männer keine Ruhe geben werden, bis sie mich gefunden haben. Notgedrungenermassen muß ich in den sauren Apfel beißen und verzichte auf meinen Abendspaziergang: ich mache mich also den Hügel wieder abwärts und erscheine den Menschen quasi als Gespenst; wie man vom Weg abkommen kann den Hügel hoch, das verstehen sie also gar nicht. Im Nu bin ich von der aufgeregten Meute umzingelt und muß mir durch Gesten erst mal Platz schaffen – der Tumult ist mir mulmig und die Leute merken das. Inzwischen wurde das Hotel informiert und der Besitzer persönlich kommt mit dem Mokick und sammelt mich auf.
2011:
Der soziale Zusammenhalt zwischen Familien und Dorfgemeinschaften in Ägypten ist noch enorm stark. Die Ägypter lieben ihr Land. Viele von ihnen kann man sagen hören: „I am ready to dy for that country any minute“. Das kann man an den aktuellen Bildern und Ereignissen überall sehen und mitverfolgen.
Die Ägypter haben 30 Jahre unter einem Regime gelebt, daß mit Notstandsgesetzen regiert hat. Oppositionelle Parteien werden unterdrückt, in den Gefängnissen und bei Verhaftungen ist Folter an der Tagesordnung. Der Geheimdienst ist groß und überall präsent. Angst und Armut prägen den Alltag der überwiegenden Mehrzahl der Menschen, während die reiche Elite über Milliardenbesitz verfügt. Daher wird dem System Mubarak nicht mehr vertraut.
Wie berechtigt das ist, zeigen die Entwicklungen von heute, Mittwoch 2.2.2011:
Mubarak-
http://www.arabist.net/blog/2011/2/3/midan-
<a href="http://ow.ly/i/7LHa" target="_blank"><img src="http://static.ow.ly/photos/normal/7LHa.jpg" alt="Owly Images" /></a>
eingefügt aus: http://ow.ly/i/7LHa
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Eingefügt aus: http://www.youtube.com/watch?v=wGeVjAJ0MWE
Update:
Einer der berühmtesten ägyptischen Blogger, Sandmonkey, wurde heute, donnerstag morgen 3.2.2011 verhaftet und sein Blog gelöscht. Wer diesen letzten Eintrag -
http://lisagoldman.net/2011/02/03/egypt-
Weiter mitverfolgen lassen sich die Ereignisse hier:
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-
[url]
http://blogs.aljazeera.net/middle-
http://english.aljazeera.net/-
Dieser Blogger fasst die Ereignisse vom Mittwoch exakt zusammen:
http://www.arabist.net/blog/2011/2/3/midan-
http://bambuser.com/channel/RamyRaoof/broadcast/1378902
Oder zum selben Thema auf Spiegel online:
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,743594,00.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743823,00.html
Und, last not least, hat es auch die westliche Welt beeindruckt, wie die Ägypter kämpfen. Rita hat für sie ein Lied geschrieben:
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Der Teufel steckt im Detail:
Da dieser schöne Blog nur vom heimischen Computer aus bearbeitbar ist (welch ein Blödsinn des Programms, Blogs hat man schließlich zum Reisen…), muß ich alle Einträge von unterwegs umleiten auf den für mich von jedem Internetcafe aus zugänglichen Reiseblog.
Und dies ist die Adresse:
http://reisen.liebe-
Bald geht es los, die Koffer sind gepackt. Wir werden in Ecuador landen und zur Walbeobachtung an die Küste gehen – wer weiß, wie lange man diese Tiere noch sehen kann angesichts dessen, was sich gerade im Golf von Mexiko abspielt. Der Küste entlang geht es in den Süden Perus, über den Titikakasee nach Machu Picchu und Cusco, von dort aus suchen wir einen Weg in das Amazonasbecken, um von Leticia aus nach Bogota zurück zu fliegen. Ziel ist, die immens vielfältigen Landschaftsformen und die Tierwelt zu beobachten: Küste, Trockenwälder, Nebelwälder, Wüste, Hochgebirge, Vulkane, Canyons, Regenwald und Amazonas stehen auf der Liste.
In Peru wird mittlerweile offensichtlich derart umfassend geklaut – der Abschuß sind sogenannte Express Kidnappings, siehe dazu den Wikipedia-
Wir freuen uns über gelegentliche Besucher und werden im Herbst wieder Erzählabende dazu veranstalten. Bis dahin allen zu Hause bleibenden einen guten Sommer!
Eurythmie versus Sport – was wirkt wie?
Pioniere der Klasse 10 forschen!
Schüler der Klasse 10 der Freien Waldorfschule Freudenstadt konnten sich dafür begeistern, die Wirkung von Eurythmie und Sport zu untersuchen. 2 Schuljahre hatte diese Gruppe nun mit einer sehr ungeliebten Eurythmieübung verbracht („das ist aber so LANGWEILIG…!“), deren Wirkung sie aber gespürt und darum akzeptiert hatten. Die Idee, man könnte das ja mal wissenschaftlich überprüfen, hatte ich eigentlich eher als Schnapsidee eingeworfen und war dann sehr überrascht darüber, daß das auf regen Anklang stieß und sich auch etliche aus der anderen Eurythmiegruppe freiwillig dafür meldeten.
Die für die Schüler interessante Fragestellung war nun, ob eurythmische Bewegungen anders wirken als rein sportliche Bewegungen – und wenn sie anders wirken, dann: WIE anders? Das immerhin wäre für die Schüler ein doch sehr einsehbarer Aspekt, um das Fach nochmal anders akzeptieren zu können. Immerhin machen das ja nur die Waldorfs…. – oder?
Das Ganze entpuppte sich dann als enormer Aufwand – die Meßgeräte mußten besorgt werden, die Schule möglichst ruhig gestellt werden und die Versuche in einen zeitlich engen Rahmen gelegt werden. Das gesamte Schulgebäude wurde mit „Bitte Ruhe“-
Überraschend war der große Anklang insbesondere bei den Schülern der unteren und mittleren Klassen. Gerade die älteren waren beeindruckt darüber, daß so etwas überhaupt gemacht werden kann. Eurythmie ist ja eigentlich eine Kunst und wird als solche auch an der Waldorfschule unterrichtet. Neben den künstlerischen Aspekten versucht man dabei zudem, altersgemäße Entwicklungsprozesse zu fördern. Doch eine Reihe der verwendeten Übungen können auch zu spezieller Fähigkeitsbildung eingesetzt werden. Die heutige gängige Unruhe in den Klassen ist dabei einer der Aspekte, auf den dabei geschaut wird.
Was die Auswertungen betrifft, werden diese wohl noch eine Weile auf sich warten lassen, erst mal sind Sommerferien. Dasselbe gilt für meine Ausführungen zur Eurythmie auf der Website, auch das kommt im Herbst.
Die Schüler der Klasse 10 haben das übrigens super gemacht… -
Mitternachtsleuchten in Kühlungsborn
Andreas ist segeln gefahren und ich komme ihn besuchen. Es ist Anfang Juni, die Schlechtwetterperiode ist zumindest aufgebrochen und ein verhältnismäßig klarer Himmel erwartet uns.
Kühlungsborn liegt an der Ostsee in der Nähe von Rostock. Eigentlich gar nicht so weit nördlich. Auch in Holland war mir damals aufgefallen, daß der Himmel abends nach Sonnenuntergang noch sehr lange nachleuchtete. Doch das Schauspiel hier trifft mich völlig unvorbereitet: Es wird nämlich nachts nicht mehr richtig dunkel. Nach dem Sonnenuntergang färbt sich der Himmel Purpur. Und obwohl es auf Mitternacht zu dann zwar „dunkel“ ist, Nacht eben, bleibt in der Ferne am Horizont ein purpurnes Leuchten bestehen, daß im Laufe der Mitternachtsstunden langsam von Nordwest nach Nordost zieht. Die ganze Nacht spricht es in der Ferne von der Sonne, die im Norden nicht mehr untergeht, bis sie dann gegen 4.30 auch hier wieder erscheint.
Als die Erde noch eine Scheibe war – haben die Menschen das nicht gesehen, oder wie haben sie sich das erklärt?
Mehr zu dem Segelausflug auf der Website!